Forschung

Die Forschung mit Daten und Proben ist durch das Schweizer Gesetz zur Forschung am Menschen (Humanforschungsgesetz) geregelt. Diese Vorgaben und der Datenschutz nach Schweizer Standard werden vom SCQM Register immer eingehalten.

Die Daten und Proben werden zu Ihrem Schutz für Forschungsprojekte immer verschlüsselt. In unserem Reglement für Forschung und Zusammenarbeit sind die Bedingungen für die Freigabe von Daten für Forschungsprojekte aufgeführt. Insbesondere bedarf es einer Genehmigung der Forschungsprojekte durch den SCQM Stiftungsrat und die zuständige Ethikkommission.

Forschungsresultate

Hier finden Sie einfach verständliche Zusammenfassungen von Forschungsprojekten, die mit Daten aus dem SCQM Register realisiert wurden.

2016 wurden bei 13 Projekten mit SCQM Daten Forschungsresultate an internationalen Kongressen präsentiert. Im Folgenden werden einige dieser Resultate zusammengefasst.

EULAR 2016

Vergleich von Rheumafaktor, anti-citrulliniertem Proteinantikörper und anderen Antikörpern bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und axialer Spondyloarthritis. Autoren: Michael Nissen, Cem Gabay und Andere

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) haben häufig bestimmte Antikörper, die im Blut nachweisbar sind. Schon lange bekannt ist der Rheumafaktor (RF) und seit ein paar Jahren auch die Antikörper gegen citrullinierte Proteine (ACPA oder anti-CCP genannt), die beide bei etwa zwei Dritteln der RA Patienten vorhanden sind. Es gibt aber auch eine beträchtliche Zahl von RA Patienten, bei denen diese zwei Antikörperarten nicht vorhanden sind. Diese haben nicht zwingend einen leichten Krankheitsverlauf. Es wäre also nützlich, wenn man noch weitere Biomarker im Blut von RA Patienten finden, die entweder bei allen Patienten vorhanden sind oder deren Vorhandensein eine Aussage über die Schwere und den Verlauf der Krankheit erlauben würde. Mit den Bioproben von Patienten im SCQM wurden mehrere solche potentielle Biomarker getestet. Es wurden Bioproben sowohl von RA Patienten als auch von Patienten mit Spondyloarthritis (SpA; axiale Spondyloarthritis oder Psoriasis Arthritis) analysiert. SpA Patienten dienten in dieser Studie als Vergleichsgruppe (Kontrollgruppe). Die vier getesteten neuen Biomarker (Antikörper gegen carbamylierte Proteine (anti-CarP), Antikörper gegen Paptidyl Arginin Deiminase Typ 3 (anti-PAD3) aus E. coli, anti-PAD3 aus Insekten und Cal-protectin) wurden alle bei weniger als einem Viertel der RA Patienten gefunden. Ihr Vorhandensein war jedoch teilweise assoziiert mit einer hohen Krankheitsaktivität, gemessen mit dem DAS28 score über 3.2 (anti-PAD3 und Calprotectin), oder mit dem Vorhandensein von Gelenkerosionen (anti-PAD3 aus Insekten). Als nächsten Schritt werden die Autoren untersuchen, ob das Vorhandensein mancher dieser Antikörper einen Zusammenhang zeigt mit einem besseren Ansprechen auf verschiedene Biologika, die bei RA eingesetzt werden.

Ist eine im Ultraschall nachgewiesene Synovitis eventuell aussagekräftig für die radiographische Progression bei rheumatoider Arthritis – eine prospektive Kohortenstudie im Swiss Clinical Quality Management Programm (SCQM). Autoren: Burkhard Möller und Andere

Diese Studie untersuchte, inwiefern die Gelenkentzündung, die mit Hilfe von Ultraschall dargestellt werden kann, etwas aussagen kann über die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient mit rheumatoider Arthritis „erosive“ Gelenksveränderungen haben wird. Gelenkerosionen werden im SCQM mit dem Ratingen Score quantifiziert und Ultraschalldaten mit dem SONAR Score. Bei Patienten mit höherem SONAR Score wurden im Verlauf der Zeit häufiger neue erosive Veränderungen in den Handröntgenbilder beobachtet als bei Patienten mit niedrigem SONAR Score. Die Autoren schliessen daraus, dass sich Ultraschall Untersuchungen eignen könnten, das Risikoprofil eines Patienten für zukünftige erosive Gelenksveränderungen besser einzuschätzen.

Helfen Informationen über den Abbruchgrund vorhergehender Biologika, um die Wirksamkeit eines nächsten Biologikums mit unterschiedlichem Wirkungsmechanismus vorherzusagen? Autoren: Axel Finckh und Andere

Patienten mit rheumatoider Arthritis erfahren häufig Therapiewechsel von einem Biologikum auf ein anderes. Für diese Studie wurden Patientendaten aus 10 verschiedenen Ländern (inklusive der Schweiz) analysiert. Von Interesse waren Patienten, die vorher ein anderes Biologikum bekommen hatten und dann zu Abatacept wechselten. Das Ergebnis: Die meisten Patienten (65%) hatten das vorherige Medikament wegen fehlender Wirksamkeit abgebrochen, 25% wegen Nebenwirkungen und 10% aus anderen Gründen. Der Grund des Abbruches des vorangegangenen Biologikums hatte keine Auswirkung auf die Therapiedauer mit Abatacept. Es wurde jedoch festgestellt, dass die Abatacept Therapie tendenziell aus demselben Grund abgebrochen wurde, wie die vorangegangenen Biologika Therapien: Wiederholte ungenügende Wirksamkeit oder erneute Nebenwirkungen.

Der Verlauf der Krankheitsaktivität bei Patienten mit rheumatoider Arthritis nach Abatacept Therapiestart und dessen Assoziation mit klinischen Charakteristika. Autoren: Delphine Courvoisier, Axel Finckh und Andere

Der Effekt einer Behandlung von rheumatoider Arthritis wird in der Forschung häufig als Mittelwert dargestellt. Das Ansprechen eines Patienten auf ein bestimmtes Medikament ist jedoch sehr unterschiedlich, weshalb immer mehr Wert auf personalisierte Medizin gelegt wird. Das Ziel der Studie war es, Gruppen zu identifizieren, die ähnlich auf eine gewisse Behandlung ansprechen, und diese Gruppen hinsichtlich demographischer und krankheitsbezogener Eigenschaften definieren zu versuchen. Dazu wurden 3898 RA Patienten aus neun verschiedenen Registern ausgewählt, die mit Abatacept behandelt wurden. Es konnten drei Gruppen identifiziert werden. Die Mehrzahl der Patienten (91.7%) sprach „klassisch“ auf die Therapie an, d.h. sie hatten eine moderate Krankheitsaktivität zu Beginn, die sich im Laufe der Zeit kontinuierlich verbesserte. Die zweite Gruppe (5.6%) hatte eine höhere Krankheitsaktivität zu Beginn und reagierte sehr schnell auf die Abatacept Therapie. Die Krankheitsaktivität fiel in den ersten beiden Jahren nach Beginn der Therapie rapide ab. Die dritte Gruppe (2.6%) sprach nicht auf die Therapie an. Sie hatte eine relativ geringe Krankheitsaktivität zu Beginn, die sich innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Einnahme von Abatacept sogar verschlechterte. Abgesehen von der Krankheitsaktivität zu Therapiebeginn konnten keine Eigenschaften herausgefiltert werden, die es erlaubt hätten vorherzusagen, wie ein Patient auf eine Abatacept Therapie ansprechen würde.

ACR 2016

Der Ultraschall hilft in der klinischen Praxis, den Verlust einer Remission bei Patienten mit rheumatoider Arthritis vorherzusagen. Autoren: Pascal Zufferey und Andere

Im Fokus dieser Studie standen Patienten in klinischer Remission (im Sinne des DAS28 Scores). Das Ziel war, herauszufinden, ob die entzündliche Aktivität, die man mit Ultraschall (US) bei Patienten in Remission misst, etwas darüber aussagt, wie lange Patienten in Remission bleiben. Eine Schwierigkeit war, dass bei vielen Patienten die Ultraschallmessung erst stattfand, als die Patienten schon eine Weile in Remission waren. Idealerweise hätte man von allen Patienten am Anfang ihrer Remission eine Untersuchung durchführen müssen. Das Resultat der Studie war, dass Patienten mit verbleibender Entzündungsaktivität im US ein leicht höheres Risiko hatten, ihre Remission zu verlieren beziehungsweise diese Remission durchschnittlich bis zu einem Jahr früher verloren als Patienten bei denen keine verbleibende Aktivität im US beobachtet wurde.

Frauen mit nicht röntgenologischer axialer Spondyloarthritis haben eine niedrigere Ansprechrate auf TNF Hemmer als Frauen mit ankylosierender Spondylitis. Autoren: Adrian Ciurea und Andere

Bei der axialen Spondyloarthritis unterscheiden wir zwei Typen der Krankheit. Die röntgenologische axiale Spondyloarthritis (rAxSpa, auch manchmal ankylosierende Spondylitis oder Morbus Bechterew genannt), bei der im Röntgenbild der Hüfte deutliche und für AxSpA typische Veränderungen sichtbar sind, und die nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis (nrAxSpA). Verglichen wurde das Ansprechen auf TNF Hemmer bei Patienten mit rAxSpA und nrAxSpa. Dieser Vergleich wurde separat bei weiblichen und bei männlichen Patienten durchgeführt. Generell sieht man in den SCQM Daten, dass Patienten mit rAxSpA besser auf TNF Hemmer ansprechen als Patienten mit nrAxSpA. Das heisst, ein grösserer Anteil von rAxSpA Patienten erreicht eine niedrige Krankheitsaktivität nach einem Jahr Behandlung mit TNF Hemmern. Auch sieht man, dass der Unterschied im Ansprechen zwischen rAxSpA und nrAxSpA bei Frauen etwas ausgeprägter ist als bei Männern.

Klinische Praxiserfahrung mit Tofacitinib bei Patienten mit rheumatoider Arthritis: Daten vom Swiss Clinical Quality Management RA Register. Autoren: Diego Kyburz und Andere

In dieser Studie wurden alle Therapiestarts mit Tofacitinib untersucht. Tofacitinib ist eine ‚small-molecule’ Therapie, also ein ‚kleines Molekül’, im Vergleich zu Biologika, die aus grösseren Molekülen bestehen. Tofacitinib kam im August 2013 auf den Schweizer Markt. In dieser Studie wurden alle Therapiestarts, die seit August 2013 im SCQM registriert wurden, untersucht. Verglichen wurden die Starts mit Tofacitinib und Biologika (aufgeteilt in die Gruppen TNF und nicht-TNF Biologika). Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob Tofacitinib eher einer speziellen Patientengruppe verschrieben wurde. Also zum Beispiel hauptsächlich Frauen oder eher älteren Patienten. Die Analyse ergab, dass Tofacitinib einer relativ ähnlichen Patientengruppe verschrieben wird wie Biologika. Der Hauptunterschied bestand darin, dass Tofacitinib viel seltener als erste stark entzündungshemmende Therapie eingesetzt wurde als TNF oder nicht-TNF Biologika. Diese Studie wurde zur Vorbereitung einer geplanten Studie zum Wirksamkeitsvergleich zwischen Tofacitinib und Biologika durchgeführt. Für diese Folgestudie ist es wichtig zu wissen, inwiefern die Patienten in den Therapiegruppen, welche verglichen werden sollen, ähnlich oder unterschiedlich sind. Wenn es viele Unterschiede gibt, muss man diese im Wirksamkeitsvergleich berücksichtigen.

In der Ära von biologischen DMARDs nimmt die im Röntgenbild nachweisbare Zerstörung der Gelenke bei Patienten mit rheumatoider Arthritis mit jedem Jahr Krankheitsdauer um 8% zu. Resultate von der SCQM Kohorte. Autoren: Rüdiger Müller und Andere

Im SCQM werden Röntgenbilder von Patienten mit rheumatoider Arthritis mit dem Ratingen Score auf Gelenkszerstörung untersucht. Diese Studie nutzte die Daten von Patienten zum letzten bekannten Evaluationszeitpunkt im SCQM. Wenn Patienten eine längere Krankheitsdauer aufwiesen, dann wiesen diese Patienten meistens auch weiter fortgeschrittene Schäden in den Gelenken auf. Die Studie bestätigte weiter, dass Rheumafaktor-positive Patienten tendenziell auch größere Schäden in den Gelenken haben.

Therapieverweildauer von Biologika bei Patienten mit rheumatoider Arthritis: Die Rolle von Patientencharakteristika bei Start der Therapie und der Einfluss von Faktoren während der Therapie. Autoren: Delphine Courvoisier, Axel Finckh und Andere

Diese internationale Kollaborationsstudie untersuchte erklärende Faktoren für eine längere Therapiedauer mit Abatacept bei Patienten mit rheumatoider Arthritis. Da rheumatoide Arthritis eine chronische Krankheit ist und Patienten normalerweise dauerhaft mit Biologika therapiert werden müssen, wird ein Therapieabbruch oft als Zeichen von unzureichender Wirksamkeit oder Unverträglichkeit angesehen. Bis jetzt wurde in Studien meistens nur die Abhängigkeit der Therapieverweildauer von Patientencharakteristika und Krankheitsaktivität beim Start einer Therapie untersucht. In dieser Studie wurden zusätzlich Krankheitsaktivitätsmessungen während der Therapie als erklärende Faktoren für die Therapieverweildauer dazugezogen. Es stellte sich heraus, dass die Aktivitätsdaten während der Therapie (vor allem die globale Einschätzung der Krankheitsaktivität durch den Arzt) recht aussagekräftig sind für die Wahrscheinlichkeit, dass eine Abatacept Therapie abgebrochen wird.

Ältere Zusammenfassungen

Wirksamkeit der biologischen DMARDs in Monotherapie versus Kombinationstherapie mit synthetischen DMARDs bei rheumatoider Arthritis: Daten von Swiss Clinical Quality Management-Register

Beeinträchtigte Wirksamkeit der Behandlung mit TNF-Alpha-Blocker bei Rauchern mit axialer Spondylarthritis.

Schmerz als wichtiger Gradmesser für Psychosoziale Gesundheit von Patienten mit Rheumatoider Arthritis.